LEXIKON


In unserem kleinen Nachlesewerk finden sie in groben Zügen verschiedene Markentypen definiert und Begriffe des Markenwesens erläutert.
Wesentlich mehr Informationen, die regionale Besonderheiten aufzeigen und konkretere zeitliche Einordnungen ermöglichen, finden Sie in den einschlägigen Werken zum Thema Zinn.

A

Auftraggebermarke:

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurden vermehrt Gegenstände hergestellt, die mit dem Logo von Unternehmen oder Schriftzügen ihrer Firmierung versehen wurden. Zumeist größere Firmen erteilten Aufträge, um die gefertigten Zinngegenstände zu Werbezwecken ihrer Kundschaft oder ihrer Belegschaft als Präsent übergeben zu können, teils gelangten sie in den direkten Verkauf.

B

Besitzermarke

Auftraggeber für die Herstellung von Zinngegenständen verlangten vom Zinngießer das Einschlagen eines Stempels, das Anbringen einer Gravur oder auch eine Ätzung, um den Gegenstand als ihr Eigentum zu kennzeichnen. Im Gegensatz zu den Marken des Herstellers sind Besitzermarken meist an gut sichtbaren Stellen und oft in Form eines Familienwappens, als Initialen oder auch als gravierte Spiegelmonogramme zu finden.

Besonderheiten

  1. Wurde ein alter, nicht mehr zu gebrauchender Zinngegenstand umgegossen oder bestellte ein Kunde direkt beim Zinngießer, so ist nur eine Meistermarke oder sind verschiedentlich drei Meistermarken gestempelt worden. Teils blieben die Stücke ungestempelt.
  2. Hat ein Zinngießermeister ein zweites Mal gegen ein festgelegtes Mischungsverhältnis verstoßen, musste er auf Lebenszeit einen Punkt unter seine Meistermarke stempeln.
  3. Finden Sie auf Zinngeschirr Prozentzahlen und mehr als 3 Marken, handelt es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um Produkte des 20. bzw. 21. Jahrhunderts.

D

Designermarke:

Hat bei der Gestaltung von Gegenständen ein Designer, ein namhafter Künstler oder ein kreativer Schöpfer mitgewirkt und somit einen hohen Anteil am Gesamtprodukt geleistet, wurden und werden die Zinnobjekte auch mit seiner Marke bzw. mit seinem Signet versehen.

Dreimarkensystem:

Seit dem 15. Jahrhundert ist dies beginnend in Ost- und Westpreußen, mit der Verwendung zumeinst der Meister- und Stadtmarken, als auch in der Dreieinigkeit mit einem Landesstempel, üblich. Verbreitung fand das Markensystem unter anderem in Württemberg, Sachsen, Salzburg, Tirol und im Wendischen Ämterverband. Gegenstände wurden mit drei Marken versehen. Wurde kein Landesstempel verwendet, stempelte man entweder Meister- oder Stadtmarke doppelt.

Drückstempel:

Wie der Begriff schon verrät, wird der Stempel (Punzeisen) per Hand in den zu markenden Gegenstand gedrückt, nicht geschlagen. Zumeist sind es kleine Stempelabdrücke von Auftraggebermarken und Händlermarken. Drückstempel sind ab dem 20. Jahrhundert in Verwendung.


E

Einmarkensystem:

Sind in einer Marke Meistermarke, Stadtmarke und teils Qualitätsmarke vereint, spricht man von einem Einmarkensystem. Viele Marken speziell des 20. Jahrhunderts vereinen die Angaben zum Hersteller und dem Sitz der Firma.

Engelsmarke:

Seit dem 17. Jahrhundert wurden Engelsmarken verwendet, um die Verwendung einer qualitativ hochwertigen Zinnlegierung anzuzeigen. Im 18. und 19. Jahrhundert löste sie wesentlich in Deutschland das übliche System mit Meister- und Stadtmarke ab. Auch im 20. Jahrhundert verwendet eine Reihe von Zinngießern das Symbol einer stehenden geflügelten Gestalt, die in ihren Händen verschiedene Gegenstände (u. a. Schwert und Waage) hält. Bis ca. 1950 war die Engelsmarke Ausdruck für die Verwendung von Qualitätszinn. Sammler sollten bei Gegenständen mit Engelsmarken ohne Kürzel der Meister oder ohne Ortsbezeichnung vorsichtig sein.


H

Händlermarke:

Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich die Vertrieb für die Erzeugnisse der Zinngießer.
Vermehrt zeigten sich Groß- und Einzelhändler für den Verkauf zinnerner Gegenstände verantwortlich. Ein Teil von Ihnen beanspruchte das Recht, die Zinnwaren mit einer eigenen Marke zu kennzeichnen.

Hausmarke:

Im Mittelalter benutzte fast jede Familie eine Hausmarke, um ihr Eigentum zu kennzeichnen. Im Wesentlichen sind kurze Striche zu einem Symbol, ähnlich einem Steinmetzzeichen, zusammengefügt. Daraus entwickelten verschiedentlich Zinngießer ihre Meistermarke, anfangs als Ritzmarke verewigt, später als Stempelzeichen verwendet.

Hoheitsmarke:

In einigen Regionen werden zu den üblichen Marken noch Hoheitszeichen gestempelt. Dies können Landeswappen, politische Wappen oder Marken von Stiftungen sein.

Q

Qualitätsmarke:

Im Mittelalter galt die Stadtmarke als Qualitätssiegel. Die Stempel wurden von den Beschaumeistern verwaltet und in den Zinngegenstand eingeschlagen, wenn die Qualität der Zinnarbeit gegeben war. Auch Landesstempel (nach 1600 Ost- und Westpreußen sowie Württemberg), Marken mit der römischen Zahl X oder den Buchstaben CL (clar und lauter), Kronen-, Rosen-, Engelsmarken sowie Stempel mit Schriftsätzen wie Blockzinn, Probzinn, London Zinn, Englischzinn sowie Feinzinn oder Reinzinn (vornehmlich im 20. Jahrhundert) weisen auf eine höhere Güte des verwendeten Zinns hin.


K

Kronenmarke:

Gekrönte Marken geben schon seit dem 17. Jahrhundert Auskunft über die gute Qualität der Zinnlegierung. Ein gekrönter Hammer garantierte schon im 16. Jahrhundert beste Zinnqualität.


M

Meistermarke:

Zur Überwachung ihrer Bestimmungen verlangten die Zünfte von den Zinngießern, ihre hergestellten Zinnwaren mit Marken zu versehen. Sie konnten ihr Motiv frei wählen. Tiere, Pflanzen, Himmelskörper, Embleme, Figuren, Fabelwesen, Zeichen der Heraldik u. a. m. zierten die Marken. Die Initialen des Meisters kamen hinzu. Zumeist wurden dies in einem Wappenschild dargestellt. Ovale Marken kommen besonders im 18. Jahrhundert vor.
Marken mit dem vollen Namenszug sind nicht vor dem ausgehenden 18. Jahrhundert anzutreffen. Meistermarken sind oft mit Jahreszahlen versehen, die auf das Jahr der Meisterwerdung, auf eine Zunftverordnung oder auf ein bestimmtes Mischungsverhältnis hinweisen.

R

Ritzmarke:

Als Zinngießer begannen, ihre Arbeiten mit einer Meistermarke zu versehen, übernahmen sie ihre Hausmarke zunächst als Marke, die in das Zinngerät „geritzt“ worden ist.

Rosenmarke:

Rosenmarken, teils gekrönt, weisen gleichfalls auf eine hohe Güte des verarbeiteten Zinns hin. Diese Marken fanden u. a. in Nürnberg, im norddeutschen und niederländisch-belgischen Raum als auch in Frankreich Anwendung.


S

Stadtmarke:

Im späten Mittelalter wurde die Marke vom Beschaumeister als Kontrollstempel eingeschlagen. Verschiedene Umstände führten später dazu, dass der Zinngießermeister die Stadtmarke selbst einschlagen durfte. In vielen Fällen bezieht sich die Marke auf das Stadtwappen oder Teile davon. Häufig enthalten sie den Anfangsbuchstaben des Namens betreffender Stadt. Ende des 19. Jahrhunderts verliert sich die Verwendung einer Stadtmarke.

W

Witwenmarke:

Führte eine Witwe die Geschäfte ihres Mannes weiter, durfte sie mit Erlaubnis der Innung die Meistermarke weiterführen. Die Marke musste aber entweder mit einem „Querstrich“ oder einer Kerbe versehen werden, teils wurde die Marke mit einem zusätzlichen W gekennzeichnet (nach Region unterschiedlich).

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